Die Stromversorgung ist das Rückgrat jedes Rechenzentrums. Ohne sie steht alles still – von den Servern über die Kühlung bis hin zu den Sicherheits- und Zugangssystemen. Moderne Datacenter sind daher so konstruiert, dass sie selbst bei einem kompletten Stromausfall weiterlaufen können. Die Energiearchitektur ist hochkomplex, redundant aufgebaut und präzise aufeinander abgestimmt. Hier ein kleiner Überblick, wie das in der Praxis funktioniert.
Ursachen von Stromausfällen
Stromausfälle können viele verschiedene Ursachen haben und stellen für Rechenzentren eine der grössten Herausforderungen dar. Zu den häufigsten Auslösern zählen technische Defekte in der Infrastruktur, wie etwa Störungen an Stromleitungen, Transformatorstationen oder innerhalb der eigenen Anlagen. Auch Naturkatastrophen wie starke Unwetter, Überschwemmungen oder Erdbeben können die Energieversorgung unterbrechen und damit die Sicherheit und Verfügbarkeit von Rechenzentren gefährden.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Überlastung des Stromnetzes, insbesondere in Zeiten hoher Nachfrage. Wenn viele Verbraucher gleichzeitig Energie benötigen – etwa während Hitzewellen oder Kälteperioden – geraten die Stromnetze an ihre Grenzen. In solchen Situationen steigt das Risiko von Stromausfällen, was nicht nur private Haushalte, sondern vor allem auch kritische Infrastrukturen wie Rechenzentren betrifft. Menschliches Versagen, etwa durch Fehler bei Wartungsarbeiten oder in der Steuerung der Energieversorgung, kann ebenfalls zu Ausfällen führen.
Gerade in der Schweiz, wo die Anzahl der Rechenzentren in den letzten Jahren stark zugenommen hat, wächst auch die Bedeutung einer stabilen Energieversorgung. Die steigende Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen und die zunehmende Vernetzung von Unternehmen, Verwaltung und Endkunden erhöhen den Stromverbrauch und stellen Elektrizitätsversorgungsunternehmen vor neue Herausforderungen. Die zuverlässige Versorgung dieser kritischen Infrastruktur ist daher ein zentrales Anliegen für die gesamte Wirtschaft.
Um die Risiken von Stromausfällen zu minimieren, setzen Rechenzentren auf innovative Lösungen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen. Bei hosttech setzen wir etwa auf 100% zertifizierten Naturstrom aus Wasserkraft, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu reduzieren. Gleichzeitig ist die enge Zusammenarbeit zwischen Rechenzentren und Elektrizitätsversorgungsunternehmen entscheidend, um die Verfügbarkeit und Zuverlässigkeit der Energieversorgung sicherzustellen.
Die Bedeutung von Notstromanlagen, USV-Systemen und einer durchdachten Energiearchitektur zeigt sich besonders im Ernstfall: Nur wenn alle Systeme reibungslos ineinandergreifen, können Daten, Server und Dienstleistungen auch bei einem Stromausfall geschützt werden. So bleibt die digitale Infrastruktur auch in kritischen Situationen leistungsfähig und sicher – zum Vorteil von Unternehmen, Gemeinden und allen Verbrauchern, die auf einen stabilen und unterbruchfreien Serverbetrieb angewiesen sind.
Mehrstufige Absicherung: Netzstrom, USV und Notstromanlagen
Ein Rechenzentrum wie etwa das DATAROCK von hosttech hängt grundsätzlich am normalen Stromnetz – idealerweise, wie bei uns der Fall, gleich an zwei voneinander unabhängigen Unterwerken, um das Risiko eines Ausfalls so weit wie möglich zu minimieren. Auch jedes unserer Colocation-Racks verfügt über zwei vollständig getrennte Stromkreise. Selbst wenn ein einzelner Strang ausfallen würde, bleibt das System dadurch weiterhin stabil und die Kundenserver laufen weiter. Dennoch ist der Netzstrom nur die erste Verteidigungslinie.
1. Erkennung eines Stromausfalls
Spezialisierte Sensorik erkennt innerhalb von Millisekunden, wenn die Versorgung aus dem Netz abbricht. Ab diesem Moment läuft ein hochautomatisierter Prozess an.
2. USV: Die Batteriebrücke
Um die ersten Sekunden zu überbrücken, kommt eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) zum Einsatz – bei hosttech sind dies Batterie-Systeme von APC.
Der gesamte Strom für das Rechenzentrum läuft permanent über diese USV. Fällt der Netzstrom weg, übernimmt sie sofort und ohne Unterbrechung.
Aktuell kann die USV den Betrieb im DATAROCK über eine Stunde (1h 3 Minuten) tragen. Dieser Wert ist hoch, weil das Datacenter noch nicht vollständig ausgelastet ist. Unser Zielwert liegt bei 30 Minuten Überbrückung, was branchenweit ein sehr solider Standard ist. Die Batterien werden turnusgemäss alle acht Jahre ersetzt.
3. Notstromaggregate: Start wie beim Auto
Parallel zur USV starten automatisch die beiden Dieselgeneratoren. Der Startvorgang ähnelt dem eines Verbrennungsmotors im Auto:
- Schnellstart: ca. 3 Sekunden
- Normalstart: ca. 8 Sekunden
In Tests benötigen die Aggregate bei hosttech in der Regel etwa 3 Sekunden – dank vorgewärmter Motoren. Sobald sie laufen, übernehmen sie die gesamte Stromversorgung für das Rechenzentrum.
Moderne Datacenter sind heute so ausgelegt, dass sie nicht ohne Notstromaggregate betrieben werden können.
Alternative Konzepte: Schwungrad statt Batterie
Bei unserem Partner-Rechenzentrum RZO kommt statt einer Batterie-USV ein Schwungrad zum Einsatz. Diese Technologie basiert auf einem rotierenden Schwungrad, das kinetische Energie speichert. Bei einem Stromausfall übernimmt das Schwungrad die Stromversorgung, indem es seine gespeicherte Energie in elektrische Energie umwandelt und so die Systeme für kurze Zeit ohne Unterbrechung mit Strom versorgt. Die Schwungrad-USV bietet eine umweltfreundliche Alternative zu batteriebasierten USV-Systemen, da sie keine chemischen Batterien benötigt und eine hohe Lebensdauer sowie schnelle Reaktionszeiten aufweist. Allerdings ist die Überbrückungszeit in der Regel kürzer als bei batteriebasierten Lösungen. Sie reicht aber aus, um den Zeitraum bis zum Anspringen eines Notstromaggregats zu überbrücken. Die Lösung ist äusserst robust, aber nicht für alle Betriebsmodelle geeignet.
Tests: Weil echte Ausfälle selten sind
Ein kompletter Stromausfall ist extrem selten. Seit hosttech DATAROCK betreibt, gab es keinen einzigen. Trotzdem wird die Infrastruktur regelmässig getestet, um sicherzustellen, dass jedes Glied der Kette zuverlässig funktioniert.
Monatlicher Dieselmotor-Test
Einmal pro Monat wird geprüft, ob die Dieselgeneratoren korrekt anspringen. Die Motoren stehen immer in einem vorgewärmten Zustand bereit, um die Startzeit zu minimieren.
Jährlicher Notstrom-Gesamttest
Jeweils Mitte November findet eine vollständige Simulation eines Stromausfalls statt. Dabei wird das Rechenzentrum realistisch vom Netz getrennt. Vor Ort sind:
- der Datacenter-Leiter
- zwei Techniker
- ein Systemadministrator
Sie prüfen unter anderem:
- Wie lange es dauert, bis die Dieselaggregate übernehmen
- Ob die USV sauber einspringt
- Ob alle Notlampen und Sicherheitsvorrichtungen korrekt aktiviert werden
Solche Testläufe sind entscheidend, um auch im Ernstfall stabil zu bleiben.
Auch im November 2025 fand ein solcher Notstrom-Gesamttest im DATAROCK statt und es lief, wie bei allen bisherigen Gesamttests, alles ohne Probleme und ohne Unterbrechungen.
100 Prozent Naturstrom
Rechenzentren sind und bleiben grosse Energiefresser. Wir achten jedoch sowohl in der Hardware-Beschaffung als auch im Betrieb auf möglichst umweltfreundliche Lösungen. So setzt hosttech beim Netzstrom vollständig auf zertifizierten Naturstrom. Ausserdem wird die Abwärme aus unserem Server-Betrieb zur Beheizung umliegender Räumlichkeiten genutzt. Der Einsatz der Diesel-Notstromaggregate bleibt dadurch ein echter Ausnahmefall – denn reale Ausfälle sind glücklicherweise äusserst selten.
Fazit: Verlässliche Infrastruktur als Grundlage für stabiles Hosting
Die Stromversorgung eines Rechenzentrums ist kein Detail – sie ist die Voraussetzung für alles, was darüber läuft. Mehrstufige Redundanz, automatisierte Prozesse und regelmässige Tests stellen sicher, dass auch im unwahrscheinlichen Fall eines Netzausfalls kein Kundenserver offline geht. Seit hosttech das DATAROCK betreibt, ist kein einziger echter Ausfall eingetreten – und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis konsequenter Planung und Wartung. Für Unternehmen, die ihre Systeme extern hosten möchten, ist eine solch robuste Energiearchitektur ein entscheidendes Qualitätsmerkmal.
FAQ zur Stromversorgung im Rechenzentrum
Was passiert im Rechenzentrum bei einem Stromausfall?
Bei einem Stromausfall greift ein mehrstufiges Sicherheitssystem. Zuerst übernimmt die unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) innerhalb von Millisekunden den Betrieb – ohne jede Unterbrechung. Parallel dazu startet automatisch die Notstromversorgung. Im Datacenter DATAROCK von hosttech sind dies zwei Dieselgeneratoren, die das Rechenzentrum nach wenigen Sekunden vollständig mit Strom versorgen. Die Server bleiben dabei durchgehend in Betrieb.
Was ist eine USV und wozu dient sie?
USV steht für Unterbrechungsfreie Stromversorgung. Es handelt sich um ein Batteriesystem, das permanent zwischen dem Stromnetz und den angeschlossenen Geräten sitzt. Fällt der Netzstrom aus, übernimmt die USV sofort und ohne messbare Verzögerung die Versorgung. Im DATAROCK von hosttech kann die USV den Betrieb des Rechenzentrums derzeit über eine Stunde lang aufrechterhalten. Das ist weit mehr als genügend Zeit, um die Notstrom-Dieselgeneratoren hochzufahren und im Notfall auch eine geordnete Abschaltung durchzuführen.
Wie oft werden Notstromsysteme in Rechenzentren getestet?
Bei hosttech finden zwei Testebenen statt: Einmal pro Monat wird geprüft, ob die Dieselgeneratoren korrekt anspringen. Zusätzlich findet jeweils Mitte November ein vollständiger Notstrom-Gesamttest statt, bei dem das Rechenzentrum realistisch vom Netz getrennt wird. Dabei überprüft ein Team aus Datacenter-Leiter, Technikern und einem Systemadministrator alle Sicherheitssysteme unter realen Bedingungen.
Was ist der Unterschied zwischen Batterie-USV und Schwungrad-USV?
Eine Batterie-USV speichert elektrische Energie in Akkumulatoren und kann je nach Kapazität den Betrieb für 30 Minuten oder länger aufrechterhalten. Eine Schwungrad-USV hingegen speichert Energie mechanisch in einem rotierenden Schwungrad und wandelt diese bei Bedarf in Strom um. Die Schwungrad-Lösung ist wartungsarm, hat eine längere Lebensdauer und kommt ohne Chemikalien aus – dafür ist die Überbrückungszeit in der Regel kürzer. Beide Technologien werden in professionellen Rechenzentren eingesetzt, oft kombiniert mit Dieselgeneratoren als zweiter Sicherheitsstufe.
Warum setzen Rechenzentren auf mehrere unabhängige Stromquellen?
Jede einzelne Komponente – Stromnetz, USV, Generator – kann im Prinzip ausfallen. Durch den Einsatz mehrerer unabhängiger Systeme (Redundanz) wird das Risiko eines gleichzeitigen Totalausfalls auf ein Minimum reduziert. Je kritischer die betriebene Infrastruktur ist, desto höher müssen die Redundanzanforderungen sein. Für professionelle Hosting-Anbieter ist Strom-Redundanz deshalb keine optionale Zusatzausstattung, sondern ein unverzichtbarer Betriebsstandard.
