Der Markt auf einen Blick: Wachstum, aber geordnet
Der globale Domain-Markt hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht: Laut dem Domain Report 2026 und Verisign Q4/2025 sind weltweit rund 386,9 Millionen Domains registriert, ein Plus von 2,2 % gegenüber dem Vorjahr. Das Wachstum ist damit solide, aber nicht mehr explosiv – ein Zeichen für einen gereiften Markt.
Die drei grossen Segmente entwickeln sich unterschiedlich: Klassische gTLDs wie .com oder .net machen nach wie vor rund die Hälfte aller Registrierungen aus, verlieren aber langsam Marktanteile. Länderdomains (ccTLDs) sind mit 3,4 % im Jahresvergleich wieder im Plus und zeigen, wie stark regionale digitale Identitäten nachgefragt werden. Am stärksten wachsen die neuen gTLDs: Mit fast 48 Millionen Registrierungen und einem Jahreszuwachs von knapp 30 % haben sie sich von einer Nische zu einer ernst zu nehmenden zweiten Schicht entwickelt.
Auch die Stimmung im Markt ist optimistischer geworden: Laut der Umfrage im Report berichteten fast 39 % der Befragten von steigenden Registrierungszahlen in 2025 – und für 2026 erwarten sogar 45 % ein weiteres Wachstum.
Welche Domains am häufigsten registriert werden
.com ist und bleibt der unangefochtene Anführer: Mit rund 161 Millionen Registrierungen macht die Endung alleine fast 42 % aller Domains weltweit aus. Dahinter folgen .cn (21 Mio.), .de (17,7 Mio.) und .net (12,5 Mio.). Insgesamt kontrollieren die Top 10-Endungen rund zwei Drittel aller Registrierungen – der Markt ist oben sehr konzentriert.
Auffällig ist, was sich an den Rändern der Liste verändert: .xyz (8,1 Mio.) und .top (5,7 Mio.) sind erstmals in die Top 10 aufgestiegen. Beide sind neue gTLDs, die mit starkem absolutem Wachstum die Schwelle zum globalen Mainstream überschritten haben. .xyz hat im Jahresvergleich 4,2 Millionen Registrierungen hinzugewonnen, .top 2,7 Millionen.
Für Schweizer Kunden relevant: .ch landet auf Platz 18 der meistregistrierten Länderdomains weltweit und kommt auf 2,6 Millionen Registrierungen. Wer heute noch keine .ch-Domain für sein Unternehmen hat, sollte das nachholen, die Endung ist für lokale Märkte ein starkes Vertrauenssignal.
Länderdomains: Europa dominiert, .ch und .eu solide im Kurs
Neben den globalen gTLDs (allgemeine, generische TLDs wie .com oder .org) spielen Länderdomains (ccTLDs) eine wichtige Rolle, besonders für Unternehmen, die in einem bestimmten Markt lokal verankert sein wollen. Die Top 20 ccTLDs weltweit zeigen ein klares Bild: Europa ist stark vertreten, und Registrierungszahlen korrelieren häufig mit wirtschaftlicher Stärke und Internet-Durchdringung in der Region.
An der Spitze des Rankings steht .tk (Tokelau) mit 27,5 Millionen Registrierungen, historisch bedingt durch eine lange Phase kostenloser Registrierungen. Dahinter folgen .cn (China, 21 Mio.) und .de (Deutschland, 17,7 Mio.) als die bedeutendsten real genutzten ccTLDs. Unter den Top 20 finden sich sieben europäische Länderdomains: .de, .uk, .nl, .fr, .eu, .it und .pl.
Die Top 20 ccTLDs
Der Aufstieg der neuen gTLDs
Neue gTLDs (Generic Top-Level-Domains) sind alle Domain-Endungen, die seit 2014 im Rahmen des ICANN-Erweiterungsprogramms neu eingeführt wurden. Dazu zählen Endungen wie .shop, .online, .app oder .xyz, die über die klassischen Endungen .com, .net oder .org hinausgehen und Marken, Branchen oder Communitys gezielt ansprechen sollen.
Sie hatten einen langen Weg. Nach dem ersten Launch ab 2014 folgten eine Korrekturphase und ein Einbruch. Seit 2022 legen die Endungen aber wieder zu – und mit knapp 48 Millionen Registrierungen Ende 2025 und einem Marktanteil von 12,4 % sind sie heute keine Nischenerscheinung mehr.
Innerhalb des Segments dominieren wenige starke Endungen: .xyz, .top, .shop, .online und .store führen das Feld an und sammeln gemeinsam den Löwenanteil der Registrierungen auf sich. Dahinter folgt ein langer Schwanz spezialisierter Endungen – für Communities, Branchen oder Regionen.
Interessant ist auch ein Blick auf die prozentualen Wachstumsspitzen: .forum (+1.005 %), .channel (+1.050 %) oder .locker (+796 %) haben ihren Bestand vervielfacht – auch wenn das oft von einer kleinen Ausgangsbasis aus geschieht. Relevanter für die tatsächliche Marktentwicklung ist das absolute Wachstum bei den grossen Endungen.
Die neue gTLD-Runde 2026: Was das bedeutet
2026 ist ein besonderes Jahr für die Domain-Branche: ICANN öffnet erstmals seit 2012 wieder das Bewerbungsverfahren für neue Top-Level-Domains. Das Bewerbungsfenster soll im April 2026 öffnen und im Juli wieder schliessen. Ergebnisse werden ab August 2026 erwartet.
Wer profitiert? Marken, die ihre eigene Endung (.marke) anstreben, können sich jetzt bewerben. Auch Regionen, Communities und Branchen können eigene Namespaces beantragen. Laut der Branchenumfrage im Report sind die stärksten Motive Umsatzpotenziale (40 %), Markenschutz (33 %) und Portfoliosynergien (32 %). Als grösste Hürde nennen 41 % die Bewerbungs- und Betriebskosten, 38 % das nötige Marketing-Budget.
Was das für Endnutzer bedeutet: Mittelfristig kommen neue Endungen auf den Markt. Wer jetzt bereits Domains für sein Unternehmen oder sein Projekt absichern will – auch als defensive Registrierung –, sollte das nicht zu lange aufschieben.
.ai: die Domain des KI-Booms
Kaum eine Endung hat vom KI-Boom so profitiert wie .ai. Die Länderdomain von Anguilla ist seit Jahren die bevorzugte Adresse für KI-Startups und -Produkte weltweit. Ende 2025 hat .ai die Marke von einer Million Registrierungen geknackt – mit einem Jahreszuwachs von 67 %. Einen besonders starken Schub gab es bereits Mitte 2023, als ChatGPT weltweit durchbrach: Die Registrierungen stiegen damals um 73 % in kurzer Zeit.
Auch auf dem Aftermarket sind .ai-Domains gefragt: Die öffentlich bekanntesten Verkäufe 2025 liegen im Bereich von 27.000 bis 350.000 US-Dollar – law.ai erzielte den Höchstpreis. Das zeigt: .ai ist nicht mehr Hype, sondern wird als langfristiger Markenwert betrachtet.
Wer ein KI-Produkt, eine Agentur oder ein Tech-Startup aufbaut und noch keine .ai-Domain hat, sollte jetzt handeln und eine ai.-Domain registrieren.
Domains in der KI-Welt: mehr als eine Adresse
Einer der spannendsten Abschnitte im Global Domain Report 2026 beschreibt, wie sich die Rolle von Domains im KI-Zeitalter verändert. Der Trend ist klar: Domains verschieben sich von reinen Klickzielen hin zu Vertrauensankern für Maschinen.
Was das konkret heisst: Wenn ein KI-System wie Google AI Overviews, ChatGPT oder Perplexity eine Antwort generiert, entscheidet es auch, welche Quellen es zitiert. Dabei spielen Domains eine zunehmend wichtige Rolle als Identifikationsmerkmal für die Herkunft von Informationen. Wer eine saubere, sichere, gut strukturierte Domain hat, hat bessere Chancen, als vertrauenswürdige Quelle zitiert zu werden.
Konkret: Sicherheitsprotokolle wie HTTPS, SPF/DKIM/DMARC und DNSSEC sind nicht mehr nur Schutzmassnahmen für E-Mails und Nutzer, sondern werden zu Vertrauenssignalen für KI-Systeme. Neue gTLDs liegen bei der Adoption dieser Protokolle noch deutlich hinter klassischen Endungen zurück – ein Punkt, den der Report kritisch hervorhebt.
Gerade für Unternehmen, die bei KI-Antworten gefunden werden wollen, ist es sinnvoll, die eigene Domain technisch sauber aufzustellen. Mehr dazu im hosttech-Blog-Beitrag zu GEO und AEO.
DNS-Missbrauch: Sicherheitslage und Gegenmassnahmen
Der Report enthält auch ausführliche Daten zur Sicherheitslage im DNS. Die wichtigsten Zahlen: Von Dezember 2024 bis November 2025 wurden rund 404.757 Domains als bösartig eingestuft. Im Verhältnis zur Gesamtzahl der Domains ist das eine überschaubare Zahl, aber dennoch ein relevantes Rauschen, das Registrare und Registries aktiv managen müssen.
Gut 85 % der Missbrauchsfälle sind dabei sogenannte ‘maliciously registered domains’ also Domains, die von vornherein für Phishing oder Malware-Verbreitung registriert wurden. Nur 15 % sind kompromittierte, eigentlich legitime Domains.
Die Mitigation-Rate hat sich verbessert: Bei bösartig registrierten Domains wurden im Beobachtungszeitraum durchschnittlich 91 % der gemeldeten Fälle erfolgreich behoben, mehr als die Hälfte davon innerhalb von 24 Stunden. Als besonders saubere TLDs werden unter anderem .com, .net, .org, .de und .ch ausgewiesen.
Wer seine eigene Website und E-Mail-Infrastruktur sichern will: DMARC, DNSSEC und SSL-Zertifikate sind heute Pflichtstandards.
Marken und Rechtsschutz: UDRP-Fälle auf Rekordhoch
Ein weiterer auffälliger Trend: Die Anzahl der UDRP-Streitverfahren – das Schiedsverfahren, mit dem Markeninhaber missbräuchlich registrierte Domains zurückfordern können – hat 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Die WIPO (World Intellectual Property Organization) hat über 6200 Fälle bearbeitet, so viele wie noch nie. In 79% der Fälle wurde die Domain auf den Markeninhaber übertragen.
Interessant dabei: Die Streitigkeiten konzentrieren sich nicht mehr nur auf .com (5.713 Fälle), sondern betreffen zunehmend auch neue gTLDs wie .shop, .online oder .top. Marken sind gut beraten, ihre wichtigsten Keywords und Firmennamen auch in neuen Endungen defensiv zu registrieren.
Fazit
Der Domain-Markt ist 2025 gewachsen und gleichzeitig komplexer geworden. Neue gTLDs sind Mainstream, .ai boomt, und die bevorstehende neue gTLD-Runde 2026 wird für weitere Bewegung sorgen. Gleichzeitig verändern KI-Systeme, wie Nutzer das Web navigieren – und damit auch, welche Rolle Domains spielen: weniger Klickziel, mehr Vertrauensanker.
Für Unternehmen und Website-Betreiber bedeutet das: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, die eigene Domain-Strategie zu überdenken. Ob .ch registrieren, die .ai-Variante sichern, technische Sicherheitsstandards nachrüsten oder mit einem Webhosting die Basis für eine starke Online-Präsenz legen – wer früh handelt, ist besser positioniert.
